Für Ross und Reiter endet die Tradition

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Zum Pferdeschlittenrennen geht es heuer für Hubertus Richter und sein Pferd nicht. Die "Pferdefreunde Schleching" haben wegen der Unkalkulierbarkeit des Wetters beschlossen, die Veranstaltung nicht mehr durchzuführen.

VON SYBILLA WUNDERLICH

Seit sich 1990 die "Pferdefreunde Schleching" gegründet haben gab es die winterlichen Pferdeschlittenrennen. Zumindest theoretisch. Denn oft musste die Veranstaltung wetterbedingt abgesagt werden. So auch heuer. Jetzt hat der Verein schweren Herzens das Ende der Tradition beschlossen.

Schleching
- Die Idee war zunächst die für ein bäuerliches Pferdeschlittenrennen mit Kaltblütern, aber bald zeigten auch andere Reiter Interesse, und so wurden ebenso Haflinger und Ponys zugelassen. Zunächst gab es das Rennen jedes Jahr, später alle zwei Jahre. Schnell wurde daraus eine beliebte Veranstaltung mit bis zu 2000 Zuschauern. Die Teilnehmer kamen aus dem Umland, aber auch aus Salzburg und dem Miesbacher Land.

Hubertus Richter erinnert sich als Vorsitzender besonders gerne an die historischen Rennen im Jahr 2010. "Da wurden alte Traditionsschlitten von den Tennen auf den Bauernhöfen geholt. Es gab Daxen-, Hochzeits-, Jauche- und Bäcker-Schlitten, mit denen früher die Semmeln ausgefahren wurden. Das war ein ganz besonderes Erlebnis.

Die Begeisterung der Teilnehmer und der Zuschauer, der Spaß an der Sache und die Möglichkeit, allen Beteiligten einen schönen Tag zu bereiten, waren die Motivation für Richter und sein Team. Darum, so betont er im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, sei die Entscheidung zur endgültigen Absage nun schwer gefallen - zumal im Vorfeld viel Arbeit investiert worden war. Aber die Sicherheit der Pferde, Reiter und Zuschauer gehe vor. Der Ersatztermin hätte nach der Absage im Januar am kommenden Wochenende sein sollen.

Schon 2014 und 2016 mussten die Rennen wegen des Wetters abgesagt werden. In diesem Jahr gab es den ersehnten Schnee, aber der Untergrund war nicht genügend durchgefroren und somit zu weich. "Ein weiterer Grund war die geringe Anmeldung von Teilnehmern, so dass nicht mehr genügend Rennen hätten gestartet werden können. So wurden zum Beispiel in diesem Jahr nur zwei Ponys zum Rennen gemeldet, im Jahr 2010 waren es noch 18", so Richter.

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Der Verein fokussiert sich jetzt auf das Sommerfest am Sonntag, 1. Juli. Zunächst müssen die über 50 Teilnehmer bei einem Wanderritt diverse Aufgaben lösen, bevor am Dorfplatz ein Spaßparcours auch für die Zuschauer stattfindet, eine sehr sehenswerte Herausforderung für Ross und Reiter. Der Vorsitzende hofft, dass diese Veranstaltung viele anlockt.

Die Hoffnung, dass mal wieder ein "richtiger Winter" kommt, gibt der Vereinsvorsitzende aber nicht ganz auf. Zumindest beantwortet er die Frage, ob das Aus für die Pferdeschlittenrennen für immer gilt, mit einem tröstlichen: "Es bleibt im Hinterkopf!"